Ev.-Luth. Kirchengemeinde
Hamberge

Kirchengeschichte

Allgemeingeschichtlicher Überblick

Hamberge war ursprünglich ein slawisches Dorf mit dem Namen „Lancowe“. Mit dem Namen „Liubice“ wird der Ort im Jahr 1072 in der Chronik des Adam von Bremen genannt. Graf Adolf II. von Schauenburg gründet die deutsche Stadt Lübeck auf der Halbinsel zwischen Trave und Wakenitz. Nach jahrzehntelangen Machtkämpfen mit den Slawen überlässt er ab 1158 den Stadthügel Herzog Heinrich dem Löwen, der Lübeck dort ein zweites Mal entstehen lässt. Der romanische Dom wird von ihm gebaut. Der alte Taufstein aus dem Dom wurde im 17. Jahrhundert nach Klein Wesenberg verkauft und wird dort heute noch benutzt.

Bereits im Jahr 1163 kommt Hamberge zum Besitz des Lübecker Domkapitels. Hansfelde entsteht 1197 durch Abteilung von Hamberge als Hof des Lübecker Domherren Johann. Erst 1784 wird der Hof in acht Besitzungen parzelliert. Hamberge und Hansfelde fielen infolge der Säkularisierung 1803 an das Fürstentum Lübeck und kamen durch einen Gebietsaustausch 1842 zu Holstein.

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurde der Ort 1867 dem neugebildeten Kreis Stormarn zugeordnet.

Im Jahre 1911 wird die erste Brücke über die Trave gebaut, die eine jahrhundertealte Personen-Fährverbindung zwischen Legan und Hansfelde sowie nach Reecke ersetzt. 1926 wird die Pfarrstelle Hamberge aufgegeben. Seitdem wird die Kirche vom nächstgelegenen Pastor, nach Klein Wesenberg sind es genau 4 km, anteilig mit betreut. Die Kirchengemeinde selbst ist bis heute rechtlich eigenständig geblieben.

Im Archiv der Stadt Lübeck und des Landes Schleswig Holstein befinden sich zahlreiche historische Dokumente zur Geschichte des Dorfes und der Kirche.

Die meisten Unterlagen davon wurden kopiert und von dem Lehrer Fritz Hillgruber transkribiert. Leider hatte bisher niemand die Zeit gefunden, dieses sehr umfangreiche Material weiter zu bearbeiten und zu veröffentlichen.

Zur Baugeschichte der Kirche

Durch das Domkapitel wurde am äußersten Rand des Lübecker Herrschaftsgebietes an der alten Heeres- und Handelsstraße nach Oldesloe ein Umspannkrug und gegenüber eine Tauf- und Wege-Kapelle errichtet. Reste der alten Kapelle sind in der Nord-Ost-Ecke erhalten. Man kann dort gut die alte Höhe und ein zugemauertes halbrundes Fenster erkennen. Auf der Innenseite befindet sich eine auf Kalk gemalte Kreuzesdarstellung mit Pilgersymbol. Die Kapelle wurde dann später mehrfach vergrößert. Der Vertrag zwischen dem Baumeister Lenck und dem Domkapitel sowie seine Zeichnung von 1721 sind erhalten. Bei diesem barocken Umbau der Kirche wurde vom Domkapitel ein Kanzelaltar aus der Lübecker Werkstatt Hassenberg und ein Taufengel in Auftrag gegeben. Beide wurden 2006 aufwändig restauriert.

Im Jahr 1957 wurde von Unbekannten der alte hölzerne Turm an der Kirche in Brand gesetzt. Da die Flammen schon in den Dachstuhl übergingen, wurde bei den Löscharbeiten leider die alte Marcussen-Orgel zerstört.

1928 wurden durch den Glasmaler Erich Klahn die sechs Kirchenfenster als Kriegerdenkmal gestaltet. Besonders beeindruckend ist dabei die Totentanzdarstellung.

1926 hat der Lübecker Künstler Asmus Jessen, er wohnte am ehemaligen Fähranleger in Legan, die fünf Wandleuchter im Bauhausstil entworfen. Sie wurden von dem Schlosser Steffens angefertigt. Die Symbolik der Wandleuchter ist überliefert als „Die Fischblase, Das Kleeblatt, Das Himmelszelt, Das aufgeschlagene Buch“. Der fünfte Leuchter trägt den Schriftzug Hamberge.

Vom Lübecker Domkapitel wurden öfter dort nicht mehr benötigte sakrale Gegenstände nach Hamberge abgegeben. So die alten Leuchter sowie ein Abendmahlskelch. Er wird seit der Restaurierung 2010 bei jedem Abendmahlsgottesdienst benutzt.

Der wohl berühmteste Bewohner Hamberges ist der ehemalige Lehrer und Kantor Hans Georg Pfingsten. Er spielte als Dorflehrer von 1791 bis 1799 auch die Orgel. H.G. Pfingsten ist einer der weltweiten Pioniere der Gebärdensprache. Dafür hatte damals niemand in Hamberge Verständnis. Im Streit mit dem Pastor und der Gemeinde verließ er Hamberge und ging nach Kiel. Dort baute er im Auftrag des Großherzogs ein Taubstummeninstitut auf, das später, als er längst Professor war, nach Schleswig umsiedelte.

Die Mennoniten haben in der Hamberger Kirche viele Jahrzehnte eine geistliche Heimat gefunden, denn in Lübeck durften sie genauso wie die Juden ihre Religion nicht ausüben.

Zur Ortsgeschichte gibt es eine Chronik Hamberges, die vom Gemeinnützigen Verein im Jahr 2004 aufgelegt wurde und dort erhältlich ist. http://www.gvh-hamberge.de

Im Stormarnjahrbuch 2000 gibt es einen Artikel zum barocken Taufengel und einen Artikel zur Baugeschichte der Hamberger Kirche.

Das älteste Kirchrechnungsbuch beginnt im Jahr 1635

Die Kirchenbücher beginnen bei den Taufen 1727, bei den Trauungen 1788 und bei den Beerdigungen 1788. Sie sind verfilmt und können im Archiv des Kirchenkreises für die Familienforschung eingesehen werden.